Posts mit dem Label e1ns werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label e1ns werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 30. April 2015


Gepriesen seien das Internet und die Erfindung des Smartphones. Von dem Moment an, wo wir erlebt haben, welchen gigantischen Nutzen eine zentrale Datenhaltung haben kann, verlieren Desktoplösungen ihren Charme.

Mit dem Anspruch, mit dem wir FMEA betreiben, muss diese Methode zwingend durch eine Anwendung unterstützt werden, die dem Anwender aktiv hilft, alle System-Zusammenhänge einfach und übersichtlich zu erfassen und zu vernetzen.

Wir alle wissen es genau: die FMEA ist nicht allein im Entwicklungsprozess. Da sie eine zentrale Rolle in der System-Modellierung spielt, kann sie nur als Team-Player erfolgreich sein. Sie muss ihre methodische und teilweise monolithische Komfortzone verlassen!
Hier kommen meine Gründe.

Appisierung als Vorbild
Mit der „Appisierung“ unserer Daten-Welt erfahren wir täglich, wie einfach die von uns genutzten Apps ineinandergreifen und miteinander werkeln, ohne dass wir uns groß dafür anstrengen müssen.

Neue Generation von Ingenieuren
Die Generation, die mit diesen Technologien aufgewachsen ist und selbstverständlich Web-Applikationen nutzt, nimmt immer mehr das Ruder in die Hand. Sie hat kein Verständnis für vereinzelte und nicht zusammenhängende Anwendungen.

Vernetztes Leben
Unser Leben wird täglich immer vernetzter. Es wird unwichtiger, wo jemand arbeitet oder wo die Daten liegen. Was wir brauchen, ist ein Zugang zum Internet. Schon können wir loslegen. So verrichten wir unsere Aufgaben immer unabhängiger von Raum, Zeit und „IT-Systemen“. Zusammenarbeit mittels sicherer Web-Applikationen erscheint uns eine natürliche Weise der Arbeit zu sein.

Nobody Ever Gets Credit for Fixing Problems that Never Happened
Dies ist der Titel eines Aufsatzes von Nelson P. Repenning und John D. Sterman aus dem Jahr 2001 (http://web.mit.edu/nelsonr/www/CMR_Getting_Quality_v1.0.html). In dem Artikel untersuchen die beiden MIT-Forscher mittels System-Dynamics, warum Prävention und Verbesserung generell ein sehr schwieriges Geschäft sind. Das folgende Schaubild soll das verdeutlichen:

Bild1: Aus Repenning / Sterman (Figure 5)

Hier wird visualisiert, wie die „Work Harder“ Schleife in Konkurrenz steht mit „Work Smarter“. Entscheidend ist der Punkt „Delay“, links oben im Schaubild. Dieses ist die Hürde, die jeder nehmen muss, wenn er Verbesserung bewirken will. Das folgende Schaubild zeigt die entsprechende Resonanz des Systems auf die unterschiedlichen Verhaltensweisen und Strategien:


Bild2: Aus Repenning / Sterman (Figure 6)

Was hat das mit der FMEA zu tun? Einerseits ist die FMEA direkt betroffen, da sie Fehler jagt, bevor sie aufgetreten sind. Wer FMEA anwendet, muss erst einmal Ressourcen aus der Working-Harder-Schleife abziehen … die Performanz geht scheinbar runter. Erst die Zeit wird die Früchte der Verbesserung reifen lassen, kurzfristige Erfolge sind meist rar.

Gleichzeitig scheint mir die FMEA selbst in der Working-Harder-Schleife gefangen zu sein. Noch mehr des Gleichen, noch mehr methodische Befrachtung der FMEA sollen zu besseren Ergebnissen führen. Das Königsdenken der einzelnen Disziplinen (nicht nur der FMEA) hat Vereinzelung zur Folge und beschneidet die Fähigkeiten des Gesamt-Systems.

Working smarter
Ich habe einen Traum. Für die FMEA sehe ich darin, dass sie über das Intra- oder Internet vernetzt ist mit der System-Modellierung, mit der Anforderungsanalyse, der Funktionalen Sicherheit und der Verifikation auf unterschiedlichen Ebenen, mit den Fertigungsprozessen und dem Feedback aus dem Feld. Alles das sind Web-Apps, die sich untereinander wohlgeordnet unterhalten und vernetzen können. Alles geht ein in einen gemeinsamen, verteilten Wissensspeicher (Semantisches Netz) und kann für alle Teilnehmer im Entwicklungsprozess genutzt werden. Dann ist die FMEA angekommen in unserem, dem 21ten Jahrhundert. Vorher aber muss sie ihre Insel und Komfortzone verlassen.

Ihr Marcus Schorn

Dienstag, 17. Februar 2015



erschienen in der QZ-Ausgabe 2/2015 des Hanser Verlages, http://bit.ly/1CDSpY1 -


Intelligente Entscheidungen mittels Methoden-Framework

Emergenz kann aus der intelligenten Vernetzung von einfachen Verhaltensmustern entstehen. Haushaltsroboter zeigen schon heute, wie wenige einfache Verhaltensmuster in der Summe ein komplexes Handeln ermöglichen. Ein Methoden-Framework bietet für ein Unternehmen ein ähnliches Potenzial, wenn es um die Nutzung erweiterter Intelligenz und eine sichere Zukunftsgestaltung geht.

Wahrheit und Wirklichkeit sind relative Begriffe. Wir können daher davon ausgehen, dass unsere erlebte Wirklichkeit ein Konstrukt ist, das Menschen durch Verhalten und Kognition gemeinschaftlich herstellen. Das "Diskurs-Unternehmen" trägt dem Rechnung, indem unterschiedliche Wirklichkeitskonstruktionen etwa auf den Märkten in die Geschäftsstrategie einfließen. Wie aber kann das gewaltige Potenzial eines Methoden-Frameworks realisiert werden?
Ein solches Framework sorgt dafür, dass unterschiedliche Methoden zur richtigen Zeit, in der richtigen Zusammenstellung sowohl Wirklichkeit konstruieren (in Form von Markt, Innovation und Zuverlässigkeit) als auch überprüfen, ob dieses Konstrukt anschlussfähig an andere Wirklichkeitskonstrukte ist. So wurde lange bezweifelt, ob regenerative Energieerzeugung die traditionellen Kraftwerke ersetzen oder wenigstens unterstützen könne. Erst mit dem radikalen Ausstieg aus der Atomenergie werden neue Wege der Energieerzeugung notgedrungen beschritten.


Bild 1. Mit einer sinnvollen Verknüpfung von etablierten Methoden kann die Qualität und der Markterfolg neuer Produkte dramatisch verbessert werden (Quelle: Johnson Controls).


Wie aber kann man sich diesen dialektischen Prozess vorstellen? Im Rahmen einer Studie von Roland Berger wurde Folgendes festgestellt:

  • Erfolgreiche Unternehmen wenden mehrere Methoden bei der Produktentwicklung an und nutzen diese intensiv.
  • Erfolgreiche Unternehmen wählen die richtigen Methoden zur rechten Zeit aus.
  • Erfolgreiche Unternehmen kombinieren verschiedene Methoden aus Forschung und Entwicklung, Marktforschung, Vertrieb, Qualitätsmanagement, Logistik und Projektmanagement.
Entscheidend ist also der Methoden-Mix. Kreativitätsmethoden wie Brain Writing, QFD, das Planen von Milestones und Quality Gates, Architektur-Entwicklung, FMEA und Target Costing decken unterschiedliche Kompetenzen in der Wirklichkeitskonstruktion ab. Die Dialektik ergibt sich aus dem Wechsel von wirklichkeitskreierenden Methoden mit Methoden, die überprüfen, wie anschlussfähig und zielführend eine Kreation beziehungsweise der Prozess der Umsetzung ist.
Zu einem ähnlichen Fazit kommt die Engineering-Studie der Steinbeis-Stiftung für Wirtschaftsförderung: "Methodisch unterstützt zu arbeiten bringt Vorteile und Verbesserungen für den Ablauf und die Ergebnisse von Engineering-Aufgaben. Mit den klassischen Engineering-Methoden bieten sich in verschiedensten Branchen langjährig erprobte und erfolgreiche Vorgehensweisen für die Durchführung der notwendigen Engineering-Aufgaben an. Eine Verknüpfung verschiedener Methoden erfordert als Voraussetzung (jedoch) gemeinsame standardisierte Basisdaten, womit auch die Kommunikation zwischen verschiedenen Fachdisziplinen verbessert wird."

 

Entwickeln für eine ungewisse Zukunft

Ein Beispiel für die erfolgreiche Integration verschiedener Entwicklungsmethoden liefert der Autozulieferer Johnson Controls. In mehr als 120 Werken werden weltweit und just in time komplette Sitzsysteme hergestellt. Das bietet einzigartige Größenvorteile und Entwicklungskompetenzen in den Bereichen Sicherheit, Komfort, Qualität, Leistungsgarantien, Qualitätsanmutung, Innovation und Design. Die Aufgabe der Methodenintegration wurde an das Risikomanagement herangetragen, um mit einer nachhaltigen Verknüpfung und Durchgängigkeit von Engineering-, Quality- und Manufacturing-Methoden die Grundlage für eine herausragend leistungsfähige Organisation zu schaffen. Der weltweite Prozess zur Methodenintegration wird "Quality Chain" genannt (Bild 1).
Dies ist die erste Ausbaustufe, die aktuell um Methoden für Änderungsmanagement und Lessons Learned erweitert wird. Seitens der Konzernzentrale werden weltweit Wissensbausteine zur Verfügung gestellt, die in den Werken zur Anwendung kommen. Dabei wird bei jedem neuen Projekt genau analysiert, welche Auswirkungen die Änderungen für eine spezielle Applikation auf das Produktdesign, die Stabilität und die Sicherheit haben.
So soll sichergestellt werden, dass sich bei Variantenentwicklungen die geringe Entwicklungskapazität hauptsächlich um Änderungen kümmert, die für das neue Produkt entscheidend sind. Gleichzeitig werden alle Verbesserungen, Problembehebungen und Korrekturmaßnahmen an die Zentrale zurückgemeldet, wo entschieden wird, ob sie in den Erfahrungsschatz der weltweiten Werke eingehen oder nicht.
Durch diese Standardisierung von Best-in-Class-Produkten und -Prozessen verfügt Johnson Controls über marktführende Technologien, eine hohe Kapazitätsauslastung und erzielt eine hohe Produktivität. Dies führte dazu, dass sich das Unternehmen in den hart umkämpften globalen Märkten herausragend gut behauptet hat.

 

Im Bann der Postmoderne

Wenn nichts mehr via Tradition, vermeintlich gesichertes Wissen und andere Automatismen festliegt, wenn alles so und auch anders möglich ist, wird das als Kontingenz bezeichnet. Im Westen ist dies ein Ausdruck von Freiheit, vom Ausbruch aus religiöser, traditioneller und feudaler Enge. Der Systemtheoretiker Niklas Luhmann nannte Kontingenz das "Midas-Gold der Moderne". Wenn Tradition und Konvention nicht vorgeben, was zu tun ist, stecken wir in der Falle des Immer-wieder-entscheiden-Müssens. Tatsächlich müssen wir heute unsere (Um-)Welt und uns selbst immer neu erfinden – der Fluch der Postmoderne!
Wie aber soll man unter der Bedingung ständiger Veränderung richtig handeln? Aus unternehmerischer Perspektive kann die Antwort lauten: Das Diskurs-Unternehmen verschafft sich einen Vorteil, indem es einen Organisationsrahmen einrichtet, in dem Entscheidungen durch ein vernetztes und methodisches Vorgehen abgesichert sind. So kann das Management helfen, die vielfältigen Kompetenzen zu stärken, die im steten Fluss von unterschiedlichen und konkurrierenden Wirklichkeitskonstruktionen notwendig sind. Auf diese Weise können mutige und richtige Entscheidungen hergeleitet und getragen werden.
Dies ist aber kein hohler Mut à la Neuer Markt um 2000, sondern gründlich unterfüttert durch vielfältige Methoden-Kompetenzen und -Anwendungen. Dieser kühle Mut versetzt eine Unternehmensführung in die Lage, sich aus bestehenden Marktblockaden zu befreien, Neues zu schaffen und trotz gewagter Innovationssprünge erfolgreich zu bleiben.

Diskutieren Sie mit mir!
Was denken Sie? Wie sichern Sie Innovationen? Wie werden Innovationsentscheidungen bei Ihnen getroffen? Verfügt Ihre Organisation über Methoden zur Absicherung von Entscheidungen?

Ihr Marcus Schorn
Subscribe to RSS Feed Follow us on Twitter!